Freitag, 11. September 2009

Umstände, Zustände, Korruption...?

Hallo ,
Dies hier ist entstanden aus einem Antwortschreiben an einen früheren Volontär.
Sie hat mich - als Kennerin der Situation hier vor Ort - nach meinem Befinden gefragt....

Nun, ich bin mit meinem Befinden hier erstaunlich gut dran und gesund und munter auch. Hab hier noch nix groesseres an "Kranksein" abbekommen.
Das andere sind die "Umstaende" die hier eben so sind wie sie sind. Oder sein sollen, oder sollten es andere sein? Das weiss ich ja nicht wie es denn sein sollte. Ich bin nur eine kurze Zeit im Leben von Baobab und dem Programm dabei.
Ich habe meine Reports in Deutsch UND in Englisch geschrieben, das schien aber irgend wie nicht richtig- Tabea (EX-Volontär) bat mich nur auf Englisch zu schreiben .... Hmmm, ja, mir hat es auch niemand gesagt, wie es denn genau sein sollte! Von mir aus betrachtet berichte ich hier nicht nur fuer die Staffs!!! sondern insbesondere fuer die deutschen Menschen die das Projekt finanzieren.
Ansonsten machen diese WeeklyReports fuer mich wenig Sinn. Es sei denn es gibt ein Misstrauen, was zu aber zu bestehen scheint, denn ansonsten koennen alle doch lesen was da steht. Alles ist möglichst satzgenau uebersetzt. Die Übersetzung ins Englische kostet mich viel Zeit und ich kann mich eben besser in Deutsch ausdruecken.
Denke: Wir sitzen fuer den Austausch von Fragen und von Problemen in dem Staffmeeting! Allerdings: Was da besprochen wird und dann auch tatsechlich umgesetzt wird und wie, hmmm. Ich staune auch hier ueber manche Einfachheit.. .
So ergibt sich aus den Erlebnissen, den Erwartungen und der Realitaet schon ein buntes Bild von Stimmungen. Ich koennte auch sagen, das Sein bestimmt das Bewusstsein- auch meines.
Ich hab mir sehr klar gemacht, dass die Menschen hier halt SO aufgewachsen sind. So wie sie sind, sind sie und ihr Bewusstsein daher auch - es ist eben so wie es ist. Einfach unbekuemmert, eine flexible Hingabe an das Unveränderliche, eine Strategie die auf Ueberleben und das Notwendigste ausgerichtet ist.
Ich wundere mich ueber den Aufwand der in verschiedenen Bereichen betrieben wird. Gibt so ein paar klitzekleine Stellen, da bin ich doch auch in gewissem Masse erstaunt, zum Beispiel ueber diese Dinge:
 Essensreste, die ueberall zu finden sind, und die jeden Tag weg zu fegen sind.
 Sehe mit mulmige Gefuehl die kleinen und großen Kakerlaken in den Kisten der Kinder krabbeln - und es interessiert nicht gross. Auch der Frosch der 2 Wochen im (Trink-) Wassertank herumschwomm (und NIE mal eine Pause auf festem Boden machen konnte...) es war eben so! Ja, es fand keiner gut, aber ihn rausholen??? Nun, ich hab es dann selber gemacht und ihn in den Trench gesetzt.
 Dass der Muell einfach so fallen gelassen wird wo er gerade entsteht, und liegen bleibt bis zum Cleaning. Oder im Trench so viel ist und jemand (mitunter mit Geschrei) die Kinder dazu bringt ihn zu reinigen.
 Ich wundere mich ueber die Distanz der Staffs zu den Kindern. So vorbildliche Haltung und zeigen wie es geht, mit hineingehen in Situationen, spielen... gibt es hier anscheinend nicht als paedagogische Massgabe. Hab mal im Staffmeeting nachgefragt nach einer Aufgabenbeschreibung der Staffs. Ich wuerde gerne wissen, wer was zu tun hat und wann. Es gab aber nur stille Antworten. Also es scheint soetwas nicht zu geben.
 Ein Hinweis gab es, es gäbe Berichte zu den einzelnene Kindern und ihr Leben. Doch wo ich die finde, das weiss ich noch nicht.
 Ich staune ueber die laessige Art der Arbeit, ueber die Unorganisiertheit und die anscheinend so grosse Schwere selbst einfache Dinge zu loesen. Es gibt Zeit zum Herumsitzen und DA-SEIN, doch irgendwie erscheint mir das wenig arbeitsvoll. Die Arbeit machen die Kinder. Wenn was nicht klappt, wird der Kommandoton angesetzt und mehr oder weniger angeordnet was gemacht wird.
 Im Staffmeeting wurde beschlossen, das es waehrend des Essens kein TV gibt. Erstaunt bin ich dann, wenn aber ein Staff den Kinder NICHT ansagt den Fernseher abzuschalten, sondern auf mein Nachfragen meint, ich koenne es ja machen... . Das hab ich dannauch und zog mir natuerlich prompt den Ärger der Kinder zu.
 Was dann doch auch vorkommt.... Jedenfalls war ich eines Tages doch einigermassen erstaunt in dem gespeicherten "Verlauf" des PC eines Tages reihenweise Pages zu sehen, die ueber diverse Sexseitenbesuche kuenden.
 Auch, sas ich ein Kind am zweiten Schultag in die Schule bringen soll, dort die Lehrerin mir sagt, dass ich das Schulgeld bringen soll. Ich ihr sag, gut Morgen, okay? und ich mir dann im Staffmeeting anhoeren darf, das ich doch besser solche Zusagen nicht tun koenne (also lieber das Kind wieder mitnehmen??).
 Auch, dass seit vier Wochen bekannt ist, dass Schule ist,aber am ersten Schultag ihres Lebens koennen die beiden Kinder Paulo und Satnley nicht gehen,weil Socken fehlen..... und Hefte. Und keine Stifte ....... und ein Schuh, und auch eine Tasche.
 Bestaunt habe ich auch das System den Gluehbirnen, wenn ein fehlt (zur Zeit sind uebrigens ca. 20 Lampen ohne Gluehbirne)...., dann wird sie eben woanders geholt und spaeter dann (eventuell) wieder dort eingedreht. Spassig war es als der Store kein Licht hatte, na, da war immer ein Andrang wenn es Abends zum serven ging. Den im Dunkeln liess es sich leichter "umsehen" und ungesehen etwas ueberfluessiges abstauben.
 Ab und zu gehe ich auch an den Kuehlschrank. An die Ameisen die ab und an in Massen hineinkommen hab ich mich gewoehnt, die Tuete kann man ja fest schliessen... was ich wirklich amuesant finde ist die Tatsache dass die Tueten mit dem Brot immer nass sind. Das Ding kuehlt nicht richtig, ist undicht, schimmelig, dreckig und rostig) und wenn ich serve und sie im Arm habe, dann ist mein Shirt schoen durchnaesst - na hab ich gleich 'ne kleine Erfrischung.
 Ich bewundere die Geduld von Koch und Kindern mit einem Messer wahrer Groesse zu hantieren (mit einem solchen koennte ich in Deutschland eine Moehre durchhacken, aber keine Kartoffel schaelen). Hab daher ineinem Secondhandshop drei kleine scharfe Messer gekauft, die jetzt ausgeliehen werden bei mir- auch vom Koch.
 Ein Wunder scheint es mir, das solche Dinge wie die Knoblauchpresse und das Schneidbrett (bei einem fehlen zwei Fuesse) nicht als Durchfallausloeser fungieren, ja, in Deutschland sind diese Dinge ja verboten,aber ich sehe ja, es kann gehen!
 Ich bewundere die unerschuetterliche Ruhe der Kenianer dies alles als normal hinzunehmen. Das mit den Fingern essen und gleichzeitig ihre Schulhefte zu durchblättern.
 Ich geniesse es, wenn die Kinder ueber das Alter meines kleinen Kofferradios staunen. WAS ? 20 Jahre soll das Ding alt sein- gibt es das denn??
 Daher kann ich so kleine eigene Noete auch hintanstellen, zum Beispiel das mir am erste Tag gesagt wurde, dass ich noch ein Moskitonetz in das offene Fenster meiner Zimmertuer bekomme.
Jaja, es gäbe auch weiteres, doch ich find es ja auch nicht gut so unverblümt zu berichten. Die anderen Dingewürde ich gerne noch aufschreiben.... .
Hab bis hier geschrieben und Pause gemacht.

Hier die neuesten Nachrichten: Freitag Mittag gegen ca. 13:15 tauchten Besucher auf – sie waren vom Emigration Office! Sie fragten direkt nach mir, wussten meinen Namen. Es ging um die "Work permission". Sie nahmen meinen Pass mit. Ich musste um 15:00 dort erscheinen. Morris kam mit.Nachdem er vorher mit Solomon und einem Anwalt noch Absprachen getroffen hat.

Also fanden wir uns in dem Büro wieder. Der Officier war pikanterweise ein Studienfreund von Morris- vielleicht gereicht uns das noch zum Vorteil....??!! Nun, jedenfalls ließ der durchblicken, dass er auf einen Hinweis von hoher Stelle diese Überprüfung vorgenommen hat. (Ich vermute mal, dass dies NUR von der Polizei kommen kann. Da war ich ja zweimal, weil ich bestohlen wurde. NUR dort habe ich meinen Namen hinterlassen!) Er ließ uns wissen, das aufgrund kenianischer Bestimmungen keiner hier arbeiten dürfe der nur ein Touristenvisum besitzt. Ich hätte nur diese und würde in Baobab arbeiten. Dann las er die Gesetzeslage aus einem bereits morschen Buch vor. Also, danach zu urteilen was da steht, muss er mich arresten oder ich muss den nächsten Tag abfliegen!........................... .
Zu Morris gewandt, fing er auch an zu drohen und signaliserte ihm, dass er auch ihn arresten können würde, weil er schliesslich als Manager dafuer zu sorgen hat, dass diese "Work permission" vorliegt. Nun, so wurde dann verhandelt. Ich hatte nicht viel zu melden. Schliesslich musste Morris noch zu dem Headmaster und von dort kam die Weisung: Montag soll ich wieder dort erscheinen! Dann wird geklärt was passiert. Knifflige Situation, oder??

Mit Morris, hab ich im Nachgespraech verschiedenes bewegt.
Er meinte es gäbe nun drei Optionen:
 Ausweisung
 Cash mit hoher Summe und weiterarbeiten
 Sie akzeptiern den begonnenen Prozess der Beantragung der Arbeitsbescheinung und Speziellem Visum und es geht gut aus...... . (dieser Punkt meint eigentlich: Korruption....)
Klar ist, das eine solche Situation durchaus eine Bedrohung für alle sein koennte – Baobab und Volontäre.
Morris meinte zu der Workpermission, dass wir Deutschen doch schon vorbereitet kämen. Ich machte ihm klar, dass es "irgendwie schon gewusst war, aber wie es letztlich hier dann läuft wussten wir alle nicht.Ich denke: Es MUSS in Zukunft schon in Deutschland klar sein, schriftlich klar sein, was die Voluntäre mitzubringen haben!
Nun stehe ich mit dem Ganzen etwas ratlos da. Bin bewegt und auch etwas geschockt auch. Was tun ??????? Wer zahlt denn das eigentlich alles?
Ich wurde in Kenia zweimal beklaut. Das war der Grund meiner Polizeibesuche um dort Report zu geben - notwendig für meine Versicherungen in Deutschland. Bei der Polizei wurde ein Protokoll geschrieben, klar, den Pass vorlegen und Namen aufschreiben, fragend wird weiter nachgeforscht.
Wie nun das Emigration Office an meinen Namen gekommen ist, muss sich jeder selber denken. Zu guter Letzt werde ich also aufgrund von WAS????? eventuell ausgesondert, weggeflogen, fuehle mich da etwas bestraft für etwas was ich NICHT habe ändern können!!!

Alles andere, zu einem anderen Zeitpunkt. Stellt gerne Fragen!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen