Freitag, 6. November 2009

Mein Jahr in Kenia macht Spass

Seit der Zeit mit dem Besuch des Imigrationoffice ist mir nun nichts an „Arbeit“ begegnet und das Kinderhaus mit seinen Alltagssorgen liegt nun schon 8 Wochen zurück.... . ja was ich so mache..... frag ich mich auch/ und - WO die Zeit bleibt.
Seither bin ich herum gereist. Quer durch Kenia. Hier und da - und da jedermann dein Freund sein will, komme ich immer wieder mal in die Verlegenheit, besser Gelegenheit in die afrikanische „Kultur“ Einblick zu nehmen.
Das ist, so finde ich interessant und spannend. Ich schreib mal ein bisschen was ich so wahrgenommen habe.
Was sich hinter dem flüchtigen und zumeist freundlichen Alltag verbirgt ist eine Welt voller Widersprüche. Die Menschen leben in ihrer Einfachheit einen eigenen Stolz. Sie verbinden das Aufregende mir Gleichgültigkeit und nehmen die Herausforderungen der Armut und des Schmutzes mit einer resignierenden Gemütsverfassung auf. Diese ist stets da, doch an der Oberfläche ist das Leben wie ein Schmelztiegel. Es wird an der Oberfläche sichtbar und zubereitet. Das "Morgen" ist stets so etwas wie eine Illusion, eine Fata Morgana, ein Traum. So wie die Regierung hier. Die hat ein Programm aufgelegt zur Entwicklung Kenias- um Anschluss an die europäische Wirtschaft zu bekommen. Es wird benannt Programm 2030. So in der Ferne liegen ihre Ziele hier. Bei Groß und Klein.
Die Anspruchslosigkeit beschämt vielerorts. Das ewige Fragen um Geld allerdings auch. Unkompliziert wird aber jeder Kontakt sofort in eine Ebene gebracht, dass du in die Familie genommen wirst, mit Getränken oder auch mit Essen versorgt wirst. Dann bist du sozusagen schon ein Freund der Familie. Wer das dann schließlich ist, genießt besondere Ehren- besonders als Mzungu (Weißer) natürlich. Die Familie hat ein "Aushängeschild" (unser Freund in Deutschland ) und gleichzeitig kommt unweigerlich die Sprache auf die Taten und Sorgen die die Familie hat. Und das man sich unter Brüdern und Schwestern hilft. Ist auch so, Wenn hier eine Mutter stirbt, dann übernimmt die Schwester der Mutter die Kinder und eigentlich die Familie. Dieser Verbund, dies Zusammenstehen ist eine große Kraft. Sicherlich dient es dem Überleben. Wer alleine wohnt, weil er einen Job in der Stadt fand, hat dann eben ein Hausmädchen, oder irgendeine alte Frau, die dann den Tag über auf dem Anwesen ist und „Gesellschaft“ bietet.

Die Schichten des Lebensstil sind sehr unterschiedlich. Gemessen an den Wohnungen, dort kannst du gut sehen wie es um den Job bestellt ist. Die einfachsten Wohnungen sind einfach irgendwo im Stadtvorfeld aufgerichtet. Es sind Slumgebiete. Das „Haus“ besteht dann aus Holzstangen und Lehm. Die sind die gefährdetsten bei Regen. Einfachst das Innen, nur das notwendigste überhaupt. Plastikeimer für Wasser, Holzkohlenkocher, diverse Plastikgefäße zum Essen, auf Besteck wird hier weitestgehend verzichtet. Kaum Lebensmittel auf Vorrat- auch hier kleine Ziele... . ein Bett oder Sofa, ansonsten Matten, die zum Schlafen auf dem Fußboden (die dann Abends ausgerollt werden. Oft ist kein Netz gegen Moskitos vorhanden. Die Einrichtung einfachst bis „sperrmüllartig“. Schmuck und Zierrat gibt es selten, wozu? Die Kerosinlampe gibt Licht, ansonsten Kerzen. Ein Kofferradio gehört dazu, und es muss scheinbar immer an sein. Da die Wohnungen alle sehr offen sind, ist der Lärm, die laute Sprache von draussen, nebenan direkt an deinem Ohr. Jeder kriegt so von jedem alles mögliche mit.
Die Handhabung der verschiedenen Lebensbereiche ist entsprechend umständlich. Willst du kochen, weicht der Rest und hast du Besuch wird eben „umgebaut“ und eingerichtet. Abwaschen, Wäsche waschen, in Behältern die wir für unsere Kaninchen nutzen. Mit scheinbar unerschütterlicher Ruhe werden die notwendigen Verrichtungen ausgeführt. Die viele Zeit die der Tag hat geht eben für diese Dinge drauf, da ist nicht Zeit drüber nachzudenken. Es IST eben so. Wie? In Deutschland ist es nicht auch so??

Wer ein regelmäßiges Einkommen hat, leistet sich eine Wohnung mit Strom. Es ist dann auch ein Radio und ein Fernseher da. Der läuft in aller Regel nebenbei. Mit kleinem Stolz und keinem Dünkel wird eben so gezeigt wie man lebt. Es ist völlig natürlich, na eben.
Zuerst wird über die Familie gesprochen. Über die eigenen Kinder und Eltern. Dann der Beruf und danach wie einem Kenia gefällt. Was man noch machen will und wohin die Fahrten gehen. Gute Tips können nur manche geben. Weil sie eigentlich nichts kennen von ihrem Land. Kein Wunder, Keine freie Zeit, kein Geld und die Wege mit Bussen dauern ewig. So berichten sie meist über ihre Heimat aus der sie kommen. Erstaunlich wie viele Kenianer nicht mehr an ihrem Heimatort leben. Alles wegen Jobsuche. Oft sind die Familien auch zurück geblieben und der Mann kommt alle 4 – 6 Wochen mal heim gefahren.Was sehr erstaunt ist wiederum das Preisgefälle. Du bekommst hier im Nakumat (ein Supermarkt für Reiche) so gut wie alles was dem kenianischen gehobenen und dem annähernd deutschen Mittelstandard entspricht. Besonders gilt das natürlich fuer die eingeführten aber auch qualitativ hochwertigen Dinge Produkte. Die Preise für Schokolade knapp 3,50 Euro (1 Euro=110 KSchilling), Eis für 2,50, Paprika Kilo13 Euro, Digikamera Sony wie in Deutschland für 190.- Euro zu haben, Käse (Gouda) 3,40 100Gramm, 500 Gr. Joghurt 85 EuroCent und 1Lit. Milch ist für 1,20 zu haben.
Das sind Preise die leistet sich nur der „gehobene“ Kenianer. Aber die gibt es natürlich auch. In deren Wohnung spürst du auch die Einfachheit des Lebens, den Hang zum Luxus gibt es nicht so. Selten ist es ausgeschmückt, der Stil ist praktisch und im Grunde auf das ausgerichtet was man letztlich wirklich braucht. Schnickschnack und kitschiges und Teures wie wir es so haben findet sich dann nur bei den Überreichen.

Aber ja, das Leben untereinander ist geprägt vom Wissen über den anderen und das berichten über die Probleme in Kenia. Die Menschen spüren allzu sehr die Misere, die sie ihren politischen und wirtschaftlichen Lenkern zu verdanken haben. Wenn sie drüber berichten - und wie oft habe ich dann abschließend gehört: Aber was kann ich tun... .Was erzähle ich dir.... es ist so stark beeindruckend wenn du dies System in den Menschen wahrnimmst. Die Menschen sind mit dem wie es ist nicht zufrieden und doch leben sie in einer Beschaulichkeit so weiter und warten. Auf was. Ja, zum Beispiel auf die zweite Wiederkunft des Christus. Überhaupt Glauben.... Das ist hier ganz groß geschrieben. In aller Regel geht der Kenianer jeden Sonntag in die Kirche. Ein Unzahl von kleinen Kirchen gibt es, nur nicht solche wie bei uns- jeder größere und auch kleinere Raum ist dazu geeignet. Im Grunde kann jeder eine Kirche aufmachen. Gehört nicht viel dazu: Ein guter Redner, ein Raum und ein Keyboard, ein eigenes „religiöses“ Programm.

Dann dauert so ein Gottesdienst schon mal 5 Stunden. Mit Tanzen und Singen und lautester Predigt. Wenn du in der Nähe bist: Da kommt es mir so vor, es wird den Menschen der Glauben laut zugerufen, eingeredet, eingetrichtert. Bisher hab ich mich immer noch daraus halten können, aber natürlich wollen die Kenianer gerne ihre Kirche zeigen und dich mitschleppen.Was wünschen sich Kenianer.... wenn man das so sagen kann.... . Sie möchten nach Europa, Deutschland. Sie möchten Ein Geschäft eröffnen. Sie möchten deine Telefonnummer und Emailadresse. Sie wollen eine andere Regierung. Sie möchten das Geld was wir in Deutschland verdienen auch haben. Sie wollen leben, in den Tag und unbeschwert. Das tun sie ja eigentlich auch. Bis auf das, dass das Leben nicht unbeschwert ist. Doch was soll man machen- also wird mit der Ruhe weiter gewurschtelt und eben gelebt. Bei aller Arbeit ist dann doch die gute Laune da, ein Lied gesummt und die freundliche Stimmung ist auch echt.So bleibt der Mzungu eben doch immer noich ein "seltenes Exemplar", das hier mal auftaucht- aber letztlich ja doch wieder verschwindet. Es wird von ihm eben dann das genommen, was man so kriegen kann und gut ist. Das Leben geht weiter. Afrikanisch heiter und lebendig. Da sind sie uns einfach in ihrer Menschlichkeit und Unkompliziertheit voraus. Planen und Bedenken, geht schon so recht und schlecht, das durchführen hat seine Krummen und überall ist dieser Hang zum Bewegten, nicht Gefassten zu bemerken. An Häusern an Stromdrähten an Tischen und Toiletten, an Autos und Eisenbahn.

Das Leben ist bewegt, es lebt und fühlt sich stets an wie ein kleines Abenteuer. Auch heute noch hat Afrika diese weißen Flecken die wir Europäer eben nicht verstehen. Anziehungskraft diese ursprünglichen. Auf der Suche nach dem was hier lebt, kommt der Punkt zu einem selber zurück. Ich lebe hier, ja, gut – ja es ist richtig schön, so unbeschwert zu leben und mich fragen zu hören, was soll ich eigentlich diesen Stress in der deutschen, nach Perfektion trachtenden Welt. Upps, aber ist diese Welt stressfreier? Aus der Sicht des Besuchers mag es erscheinen, doch ist ein Leben hier vorstellbar und was würde ich, schrecklich deutscher Deutscher dann letztlich doch vermissen! An Büchern, an Gesprächen an Wissen, an Freiraum\Bewegungsraum an selbstverständlicher Kultur und Zugang zu so vielem tradiertem Deutsch-\Europatum ?
Auf diese einfachen Fragen reduziert erwacht dann die Idee zu sich selber zu finden wie von alleine. Wie eine stets bohrende Frage ist dann da- wo gehöre ich denn eigentlich hin? Was ist es was ich suche und Warum finde ich es so schwer?Überall sein zu können, kann ich denken, dann aber doch fällt mir so vieles auf, dass ich merke, nöö, nicht alles.So löse ich die Bande der Vergangenheit und nbefinde mich auf einem freien Weg, der spannend ist und eigentlich immer spannender wird. Finde ich. Es ist ja MEIN Jahr. Auch die Unzufriedenheit darüber, dass ich doch eigentlich schon viel weiter sein müsste- aber womit?? Lass es doch gut sein und genieße einfach, wer hindert dich? Wenn nicht du selber. Also, den afrikanischen Weg ein Stück weiter, da guck ich mal noch näher hin. Macht Spass zu entdecken.

1 Kommentar:

  1. Hey Papa,
    schoen von dir zu lesen, deine Gedanken zu erfahren. Das hoert sich ja spannend an, was da kommen mag.... ich bin gespannt.
    Ach wie schoen, mal wieder richtig was im Papa-Stil zu lesen. Jetzt weis ich wieder wo du innerlich steckst..Lieben Gruss
    Teresa

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