Samstag, 29. August 2009

27.08.09 Wintersommer und viel mehr...

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27.08.2009
Wieder einmal setze ich mich mit etwas Ruhe hin um zu berichten. Am besten einfach beginnen und dann sehen was mir so einfällt.
WINTERSOMMER + BILLIGWARE
Nun, hier ist es momentan etwas kuehler, etwa so wie ein normaler Sommer in Deutschland eben. Wolken, windig, ca. 20°, immer noch genug mit kurzen Hosen herumzulaufen. Kein Problem. Wenn die Sonne kommt ist es sofort heiss. Manch kurzer Regenschauer in der Nacht ist um 11:00 weggetrocknet. Die Kinder laufen trotz "Winter" meist barfuss. Es gab vor 10 Tagen mal eine Aktion: alle bekamen neue Slippers und MUSSTEN sie tragen. Das war fuer die Kinder ein Fest. Von wegen- jeder sollte sie tragen, sie wurden auch getragen..... . Aber bereits nach vier Tagen waren die ersten kaputt, nach einer Woche die Hälfte und nun achtet kaum mehr einer auf die Slipper.
So geht es mit manchen, hmmm, eigentlich den meisten Dingen. Einmal ist die Sache die, dass das Material aus dem die Dinge hier hergestellt sind sehr schlecht ist. Billige Herkunft und wenig gute Verarbeitung.
Zum Beispiel die Blech-Kisten 70x45x25der Kinder,,,,,,,, Ihr Inhalt beherbergt den gesamten persönlichen Besitz! Da findet sich nun alles drin: Die Wäsche, die Hefte, Utensilien und Dies und das, was sie so als "Schätze" hüten. Allerdings sieht man auch beim Ausschueten, was die Kinder tun, wenn sie mal was suchen oder einfach mal gruendlich einräumen wollen weil die Box überquillt - Also- man sieht dann auch so manche Kakerlake aus dem Wust rennen und das nächste Versteck ansteuern. ... .
Unbelievable!!
Die Kisten also, sind aus ca. 1 mm starken Blech. Diese Dinger werden hier in Mikindani zurecht geschnitten. Einfach so auf dem Boden, von Hand mit einfachsten Geräten gebogen, dann Punktgeschweisst – fertig. Ich habe KEINE Kiste gefunden die nicht verbeult ist, die sich schliessen lässt oder deren Deckel noch genau passt.
Was nicht in die Kiste passt liegt unter der Matratze. Jedenfalls dementsprechend wie die Möglichkeiten eben sind sehen die Dinge eben auch aus, das ist die andere Seite!
Was den Kindern gegeben wird wird auf eigentuemlich schnelle Weise so abgenutzt: Erst wird alles befingert, es ist dann superschnell dreckig. Dann wird probiert, gedreht, gedrueckt, sich aus den Haenden gerissen, sich drum gestritten. Dann wird es intensiv benutzt und das in einer recht grobmotorischen Weise. Einfach, robust, achtlos mit wenig Blick fuer das Schoene, schuetzenswerte. Es geht immer sogleich aus dem Instinkt in das Praktische. Das dann in einer Geschwindigkeit, dass du stets auf alles achtgeben musst was heil bleiben soll. Ansonsten läuft es Gefahr noch unter deinen Händen und Augen zu zerbrechen.
Unbelievable!!
AUGE = HAND
Die Kamera zum Beisspiel. Die lieben ja alle, staendig sollst du Fotos von ihnen machen. Da wird also erst die Kamera bestaunt, beguckt = betatscht. Dann wird sich in Position gestellt, und bitte noch mal und noch ... .Dann müssen die Bilder angesehen werden, klar... . Da kommen wieder alle Finger ins Spiel, zeigen direkt auf den Screen, druecken fassen, ziehen, wollen haben, haben fast. Ufff, du musst so aufpassen. Wie oft kam dann von mir, Don’t touch it, only look! Und ich versuchte dann zu erklären: You can look with your eyes, you don’t need your fingers! With your Eyes you can be a thief- but not with your fingers!
Unbelievable!!
Diese "Abwehrmanöver" dann immer in Englisch - ueber deren Richtigkeit ich mit mir selber immer wieder streite. Aber sie verstehen schon alles. Es dauert, bis die Hände das dann auch tun worum ich bat. Es kommt so langsam in ihr "Hirn", ähh, also in ihr Bewusstsein und in ihr Gefuehl, dass keiner zu kurz kommt und die Dinge dann länger leben. Davon herrscht ueberhaupt sehr wenig Bewusstsein hier. So waren die Kinder ueber das Alter meines kleinen Radios SEHR erstaunt. Als ich sagte, es sei 20 Jahre alt, kam auch prompt, dass sie dies unglaublich fanden. Das ein solches Ding ein solches Alter erreichen kann!!
Unbelievable!!
ALTER JUNGER MANN
Auch mein Alter scheint hier immer wieder eine kleine "Sensation" zu sein. Wie oft wurde ich schon zwischen 35 und 42 Jahre alt geschätzt. Das ich aber 51 bin, mochte erst mal niemand glauben. Der Griff ins Haar ist dann manchmal unumgänglich. Na- kein Wunder, wenn wie bereits erwähnt das normale Durchschnittsalter der "Lebensdauer" der Männer hier bei 47 Jahren liegt..... .
Also werde ich dann stets besonders geachtet und freundlich behandelt, denn ich gelte nicht nur als Mzungu (weisser Mann) sondern auch noch als MZEE (alter Mann) und daher nennen mich viele der Kinder denn auch
BABU (Vater). Es lebt sich ganz gut damit J . Unbelievable?? NO!
EBBE UND FLUT GIBT ES NICHT
Nach dem Strandgang letzte Woche, habe ich verschiedentlich die Kinder gefragt, ob sie wuessten WARUM denn das Wasser kommt und geht, was es macht, dass Ebbe und Flut da ist???.
Ei, war das spannen zu erleben, ja erstaunlich zu bemerken: DAS weiss hier so gut wie keiner, hmmm, hab noch keinen gefunden der es wusste!! Nicht mal Ansatzweise. UND- dies gilt auch fuer die Erwachsenen, studierten Menschen!!
Unbelievable!!
Es gab so Theorien von einigen: z.B. Dass ein Loch in der Erde das Wasser aufnimmt und es dann wieder ausspuckt. Oder einfach - der Wind macht es! Oder es sei deswegen, weil das Meer einfach hin und her schwappt wie in einer grossen Wanne - weil die Erde so etwas wie eine Gravitation hat.
Unbelievable!!
Das war natuerlich auch spannend zu beobachten, als ich dies dann zu erklären begann, es in den Sand zeichnete und die Planeten-Konstellation in Szene zu setzen. Da war er dann wieder der Lehrer.... . J
Wie sie beobachteten, misstrauisch beäugten ungläubig sich wunderten und sich sicher ihren eigenen Teil dachten.
So ist ja auch zu verstehen, dass hier noch ganz alltäglich mit "Witchkraft" umgegangen wird. Das ist soetwas wie Zauberkraft- jedenfalls wird mir das auch immer erzählt man muss sich vor der Witschkraft schuetzen.
Meine Zauberkarten, mit denen ich eine von meinem Gegnüber ausgedachte Zahl erraten konnte, war prompt auch Witchkraft. Obwohl nur eine simple (geschickte) Mathematik dahinter stand. Entsprechend war die Lösung auch einfach: Unbelievable!!
ROSE+AUSTIN
Heute war mein freier Tag (Nachmittag). Den habe ich in Mombasa und am Strand verbracht. Hatte einen "Guide" dabei, jemand der, hmmm die selber so gut wie nicht draussen in der Welt was gesehen hat.
Rose - sie lebt in Mikindani, hat 3 Kinder, 8jährige Zwillinge und einen 2 jaehrigen Jungen. Ihr Knabe Austin, war mit dabei. Er war noch nie am Strand - weil seine Mutter im Alltag nicht wegkommt. Das soll es geben.... .
Sie lebt in einfachsten Verhältnissen, um nicht zu sagen ärmsten... . Rose ist über Umwege verwandt mit dem Soldier, einem unserer Wachmänner. So kommt sie hin und wieder, sitzt vor dem Tor, spricht mit Patrick und dem, der gerad noch so aus Baobab heraus kommt. Sie ist 39 Jahre alt, ihre Mutter starb als Rose 4 Jahre alt war. Ihr Vater heiratete später wieder. Ihre Schwiegermutter mochte Rose nicht. So wuchs sie unter harten, schlechten Bedingungen auf. Weil es ein so schlechtes Verhältnis zur Schwiegermutter gab, ging es ihr so elend, dass die Großmutter sie nahm. Sie ist eine stille stille, sehr ruhige Frau, redet kaum und geht mit gleichmütiger Ruhe durchs Leben. Jammert ihr Kind wird es getragen, nichts scheint sie erschuettern zu können, sie hat schon alles schlimme erlebt. Also - Von was sie lebt? Von Nichts eigentlich.
JAPATIS
Etwas Geld verdient sie sich mit dem Backen von Japatis Das sind pfannkuchenähnliche Fladen. Sie erzählte: Normalerweise steht sie um 4:00 auf, um den Teig zuzubereiten. Die Zutaten sind 2kg Maismehl, Öl, Margarine und Saft von frischen Kokosnüssen. Dies wird dann zusammengemixt und durchgeknetet. Der Teig lässt sich dann wie eine Pizza ausrollen und schließlich backen. Auf dem HolzkohleKocher wird eine leicht gewölbte Pfanne (nach unten gewölbtes Stahlbrett) gestellt. Etwas Öl auf die Pfanne und dann geht es los.
Das mit dem HolzkohleKocher ist ja in Baobab auch so:
Darüber gebückt sitzend, locker 2 Stunden ! backst du einen nach dem anderen Japati. Bei 35 Essern hier, jeder soll drei bekommen, sind es also locker mal eben 110 Japati. Jeder braucht seine gute Minute.... . Die Abgase der Holzkohle, der leichte Rauch, die glutheisse Wärme, das heisse Öl bringen dich gut, nicht nur zum eigenen Erglühen, sondern du stehst auch mit einem zuenftigen Kratzen im Hals da.
Unbelievable!!
Anschliessend tut immer eine Dusche not und sehr gut!
Diese Japati’s also backt Rose jeden Tag! Ab vier wird vorbereitet und gebacken, dann ihre Kinder versorgen, das Geschirr und dann bis 11:00 alles verkaufen. Die Japatis verkauft sie direkt vor ihrer Tuer für 10 Shilling je Stueck! Umgerechnet ca. 10 Cent! Die 2kg Tuete Maimehl kostet 120,.- das Öl 0,5 Liter 170.- (reicht für 10 kg Mehl), jede der drei benötigten Kokosnüsse 40 Schillinge, die Margarine (reicht für 10 kg Mehl) 170.-. Zusammen kosten 370 KSh. Die davon gebackenen 30 verkauften Japatis erbringen 275.- KSh. Ich glaube, dies nennt man zu Recht "von der Hand in den Mund leben".
Unbelievable!!
KENIA TOURISTEN SOZIALE SITUATION
Der Staat Kenia gibt keinerlei Unterstuetzung, jeder muss sehen wie er überlebt. Da kommen manchmal die Touristen gerade recht, denen man einen Japatipreis von 30, 40 Schilling angeben kann- und ja auch oft bekommt. So werden eben auf Dauer hier die Preise verdorben.- Wieso?
Hab hier mal einen Text im Internet gefunden den jemand dort als Bericht schrieb- da lehne ich mich mal an:
Besonders als Tourist vergisst man schnell (bei all den luxuriösen Hotels und Lodges) dass man seine Zeit in einem Land der Dritten Welt verbringt. Oft verschliessen die Touristen ihre Augen vor dieser Tatsache, anstatt sie weit zu öffnen und versuchen, zu verstehen.
Ein bisschen zum Nachdenken anregen und ein wenig das Verständnis zwischen Einheimischen und Touristen fördern ist ja immer gut. Denn nicht alles ist so, wie es den Feriengästen in den Hotels vorgetäuscht wird.
- Tourismus fördert Unzufriedenheit, weil wir etwas vorleben, was unter gegebenen Umständen in Kenya nicht zu erreichen ist. Bei den Einheimischen wird durch uns das Bedürfnis nach mehr Konsum angeregt.
- Viele Hotels werden von Ausländern geführt und sehr oft beuten diese ihre Angestellten aus. Während die Eigentümer in Luxusvillen leben, kämpfen die Arbeiter teilweise täglich ums Überleben oder darum, überhaupt ihren mickrigen Lohn am Ende jeden Monats zu erhalten.
- Tourismusregionen ziehen Arbeitswillige aus dem ganzen Land an, aber bei weitem nicht alle erhalten eine Stelle. Weit weg ihrer Heimat und Familie enden sie in Slums und versuchen sich mit Prostitution, Betteln oder Kriminalität am Leben zu erhalten. Ihre Kultur und Wertvorstellungen gehen so verloren.
-Wir duschen mit Unmengen von Wasser, baden im Pool, während die einheimische Bevölkerung oft meilenweit zu einer Wasserstelle gehen muss oder sogar mit Wasserknappheit zu kämpfen hat.
- Wir sollten unsere Erwartungen zurückschrauben, denn ein Land kennen lernen heisst nicht, denselben Lebensstandard wie zu Hause vorzufinden!
- Strom steht den Einheimischen selten zur Verfügung. Er ist einfach zu teuer, um mit einem Durchschnittseinkommen auch noch bezahlen zu können. Also sollten wir uns über einen Stromausfall im Hotel nicht aufregen.
- Vieles, was wir tun und lassen, kann auf verschiedene Weise aufgefasst werden. à so können hohe Trinkgelder, von uns als Hilfe gedacht, als grosse Beleidigung empfunden werden. (damit demonstrieren wir Überheblichkeit und wecken ein Gefühl der Minderwertigkeit)
- Geldgeschenke bringen nichts, werden sie zu oft für Luxusgüter ausgegeben, anstatt damit die wichtigsten Grundbedürfnisse, wie Nahrung etc., zu decken. Gehen Sie lieber zusammen Lebensmittel oder Schulbücher für die Kinder einkaufen.
- Versuchen Sie sich in die Gesellschaft Ihres Gastgeberlandes einzubinden und Sie werden ein noch schöneres Bild von Kenya in Erinnerung behalten. Es mag nicht immer bequem sein, denn Sie werden mit den Höhen und Tiefen des Alltags eines Kenyaners konfrontiert, müssen verarbeiten, was Sie gesehen haben und auch etwas von sich geben. Aber es ist lehrreich, lobenswert und fördert das Verständnis zwischen zwei gegensätzlichen Bevölkerungsgruppen.
PREISE
Wenn wir nach Kenya reisen, rechnen wir die Preise in Euro um und denken: "Mensch, das ist aber billig!" Wir fragen uns, wieso die Einheimischen jammern und sich beklagen. Wir vergessen dabei schnell, dass wir einen Umrechnungskurs von 1:100 gebraucht haben, also für die Kenyaner alles viel teurer sein muss.

HUNGER UND ANGST
Ja, so sieht es aus...... Während der Fahrt stellte sich heraus, dass Rose Hunger hat. Hmm, nun, ich wollte ja ohnehin etwas Fruechte kaufen. 3 Äpfel und 3 Orangen habe ich in der Stadt dann noch gekauft, etwas Kekse und dann ging es los zum Strand. Schwimmzeug hatte sie nicht mit und Austin hatte ja das Meer noch nie gesehen. Sie wollte dannauch nicht mal mit den Fuessen ins Wasser gehen. Nanu? Nein, sie hat Angst vor dem Wasser... . Sie kann nicht ja auch schwimmen... . Sie glaubte tatsächlich, dass sie einfach verschwinden könnte, wenn sie nur mit den Fuessen ins Wasser ging.
Unbelievable!!
Ich bot ihr an auf der Seeseite zu gehen und sie neben mir, damit nichts passiert. Nun, so ging es auch. Austin, der beim Anblick des Wassermeeres erstmal staunte und dann aufgeregt zu plappern anfing (Kisuaheli verstand ich ja nicht...) machte um das Wasser einen grossen Bogen. Da er dazu zeitweise die Hand seiner Mutter loslassen musste, schrie er auch mal los.
Aber es ging. Ich macht ihr Mut, ihrem Kind Mut zu machen. Und ihm doch beizubringen, dass das Meer nicht gefährlich ist- wenn man weiss was zu tun ist. Auf dem weissen Strandstreifen sitzend, zog Austin allmählich immer groessere Kreise und spilelte im Sand. Angezogen, es war ja Winter, mit T-Shirt und darueber eine Jeansjacke und lange Jeanshose. Er zog auch erst nach einigem Toben und erhöhter Körpertemperatur die Jeansjacke aus. Dem Meer blieb er stest respektvollen 30 Meter fern... . Nun war es Zeit das mitgebrachte Obst zu essen. Klar, durch die Orangen und Äpfel klebten anschliessend die Finger. Die Salzluft und der feine Sand taten ihr Uebriges als Austin versuchte seine Finger an seiner (sandigen) Kleidung abzuwischen. So dachte ich, nun, nun ist eine Möglichkeit Freundschaft mit dem Meer zu schliessen.... .! Und ich sagte seiner Mutter, dass ich mit ihm die Hände sauber machen würde, er braucht einfach nur zugucken.
Sie uebersetzte es zu ihm und meinte aber, er käme sicher nicht mit. Kam er aber! Stand dann da und schaute wie ich die Hände in dem warmen, wenig tiefen und kaum wellenschlagendem Meer, sauber putzte. Mit dem feinen Sand habe ich sie eingerieben und abgespült - dann klebte nichts mehr! Damit ich das Meer verkleinerte, stand ich rücklings zum Meer..... . Dann nahm ich seine Hand und rieb sie ebenfalls mit Sand ein, deutete - auf das Wasser und - siehe da, er tauchte seine Hände hinein in das leicht bewegte Wasser ...... ja, es ging also doch - ganz weich und vertrauensvoll gab er seine Hände. Geschafft, er strahlte, als er wieder aufstand und seine sauberen Finger betrachtete. Gewonnen - einen neuen Freund des Meeres!
TOURIST+TOURISTENFÄNGER
Weiter hinter mir gab es die grossen Wellen die auf das Riff und die Sandbank aufliefen... ein Teil eines gesunkenen Frachters ragte noch hinaus - da möchte ich auch noch mal hin! Die Fahrt mit einem der Einbaum-Boote die als Katamaran umgebaut sind und mit Schnorchel + Flossen die Unterwasserwelt betrachten... . Ja, eines der nächsten Vergnügen. Man kann sicher eine richtige Tauchtour finden J
Anfang der Woche wollte einer der herumlaufenden "Touristeneintreiber" 3000 KSh von mir für die Fahrt haben! 500 KSh ist anscheinend der normale Preis für die die es wissen - Aber es wird eben erst mal probiert! Siehe oben!
Es war inzwischen schon an der Zeit wieder zurück zu gehen. Die Sonne hat ihren Himmelsstand verlassen und senkte sich. Das geht dann immer verflixt schnell hier!! Und das ist gefährlich wenn man mal die Zeit verpasst und hier im Dunkeln bleiben würde. Die Polizsten von Montag waren auch wieder da! Lässig patroullierten sie am Strand. Ein Maschinengewehr wie einen Regenschirm in der Hand tragend. Da sind immer alle Einheimischen bemüht bloss nicht aufzufallen!
So wie am Montag. Da war ich mit Kereen, einer der beiden anderen Voluntärin, hier am Strand. Dort trafen wir auch wieder Jack. Er ist einer der Kontakte ausgezeichnet zu Touristen knüpft, um sie den Händlern zuzuführen. Dafür kassiert er dann immer einen Teil ab. Nun, der war jedenfalls ein sehr Netter, verstand sein Handwerk also auf’s Beste J und Kereen verstand sich auch mit ihm. Jedenfalls wurde es Montagabend etwas später als wir vom Strand aufbrachen. Kereen hatte noch einen Ebenholz-Schlüsselanhänger bei einem der Strandschnitzer in Auftrag gegeben - das zog sich länger hin. Schon wurde es dämmerig- aber wir hatten ja Jack! Nun zogen wir Richtung Matatu, da kamen uns justament eben jene beiden Polizisten – die Touristenpolizei! - entgegen. Nichtsahnend schlürften wir auf dem Strand weiter- sie steuerten uns zielstrebig an! Nun ist ja vielleicht bekannt, dass dies Land recht stark mit Korruption zu kämpfen hat! Die Polizisten scheinen sehr willkürlich ihre Macht zu missbrauchen und handeln nicht zimperlich, sondern rigide. Hab erst die Woche zuvor erlebt, wie ein Polizist durch das offene Fenster des Matatu (in dem wir zu unserer Heimfahrt saßen) griff, den Schlüssel umdrehte und herauszog. Die Fahrt war zu Ende. Alle raus, neues Matatu suchen. Warum? Weiß nicht genau... Irgendwas hat den Polizisten am Fahrstil nicht gepasst. Zu früh gehalten oder zu spät?? Weiss vielleicht der Fahrer. Der muss nämlich dem Polizisten nachgehehen und sich was anhören. Dabei wird dem Polizisten Geld zugesteckt und dann löst es sich wieder auf. Mit Schmiergeld läuft es – Ja, so läuft es... .
In unserem Fall am Strand ging es wie folgt weiter:
Die Polizisten gruessten herzlich, mit Handschlag und Jambo und Hello. Der eine sprach auch noch einige Takte Deutsch. Nebenbei fragten sie uns, woher und wohin. Mal Englisch, dann Kisuhaeli .... .Jedenfalls änderte sich plötzlich der Ton und der eine Polizist sagte. Wir duerfen hier zu dieser Dämmerungszeit nicht mehr sein! Unser Begleiter wäre ein touristenführer, der wüsste das und hätte uns darauf hinweisen muessen! Das hat er nicht und daher nehmen sie ihn nun in Arrest..... .Wegen Leuten wie ihm sind sie auch hier. Der wüsste das und weil er es nicht gesagt hat, ist was faul! Schliesslich hätten Strandräuber vor einiger Zeit einem Touristen aus Köln, der seine Tasche nicht hergeben wollte, einfach die Hand abgehakt. Na, das hörte sich wenig verlockend an... .! Oder?? Nun, uns würden sie jetzt in ein Matatu setzen, Jack nehmen sie mit. Ohh, Kereen war ganz nervös und wir bemerkten die sich immer weiter anspannende Situation. Die Polizisten hatten im "kleinen Kreuzverhör" anscheinend genügend Widersprüche gehört. Wir redeten von: Wir sind Touristen und schlafen im Guesthouse! Jack sagte vorher im "Kishuaheligespräch", wir seien Voluntäre und schliefen im Kinderhaus.... ! Letzteres durfte aber offiziell keiner wissen! Weil - wir ja nicht arbeiten duerfen hier! Zumal wir alle beide noch keine Arbeitserlaubnis hatten. Ich blieb erstmal vorsichtig hinter meiner "Sprachunkenntnis" zurück, bekam aber zunehmend ein mulmiges Gefuehl.... . Wohlwissend: Wenn die herausbekamen, dass wir hier sozusagen illegal arbeiten und dazu noch in dem Kinderhaus schliefen und nicht, wie angegeben, im Guesthouse, dann wuerden wir in die nächste Maschine gesetzt und ausgewiesen. Dann duerften wir auch nie wieder nach Kenia kommen..... .
So zogen sie mit uns gemächlich zum Matatu, winkten noch zu als wir einstiegen und behielten Jack bei sich. ..
Auf der Rückfahrt versuchten wir zu besprechen und heraus zu finden was wir alles nun wie zu tun hätten und was für den Fall das dies oder jenes... .!!??!
Na, jedenfalls war die innere Aufregung groß. War Jack, eventuell echt ein Toristenfänger der uns Touristenfängern zuführte??
Nachts um 23:00 rief dann Jack bei Kereen an und war auch schon wieder zuhause! Er wüsste, dass die Polizisten diese Tour öfter und gezielt abzögen. Seine Freunde und er, die am Strand arbeiten werden dann immer mit neuen Gruenden zur Kasse gebeten. Man könne da nichts machen..... Wer nicht zahlt kann dann da eben nicht mehr arbeiten.
STILLER SCHREI
So – diese beiden Polizisten hatten wir nun vor uns. Wir MUSSTEN an ihnen vorbei, denn sie schlenderten dermassen langsam, das es keine andere Möglichkeit gab! Naja, immerhin schon eine bemerkenswerte Situation. Einem Tourist mit Rucksack folgt eine Frau mit Kind, irgendwie haben die miteinender was zu tun. Will sie Betteln? Kennen die sich überhaupt?? Geht da alles mit rechten Dingen zu? Muessen wir wieder mal einen Touristen beschuetzen??? Also Obacht ... .
Gottseidank, gerade zur rechten Zeit kommt uns (und ihnen) ein Fahrradfahrer entgegen. Der scheint ihre Aufmerksamkeit zu erregen, er wird gestoppt, ueberprüft und einer der Ploizisten greift zum Handy.... DIE sind erstmal beschäftigt- jetzt spornstreichs vornbei und weg! Ja, das hat geklappt!
Weiter also Richtung Matatu. Unterwegs zeigte ich ihr Schwämme die aus dem Riff an Land gespült wurden. Das ich diese auch mitnehme und sie zum Duschen, zum Wäschewaschen und als Seifenunterlage benutzen wuerde. Diese wurde nun sogleich von ihr auch gesammelt, hatte sie doch den Wert darin gesehen um ihre Arbeit ebenfalls damit zu unterstuetzen. eben auch ganz Mama.
Auf dem Weg in die Stadt sagte sie mir, sie will mich was fragen. Ja? Ob ich ihr Taifa kaufen koenne, sie habe nichts mehr zu essen und sei Hungrig.... . Oh verzwickt, wieder ein Wunsch eine Bitte, ein Appell. Wo da anfangen oder Grenzen setzen... . Ich sagte, wir gehen noch in einen Supermarkt. Es war diese stille der Frau, die nicht aufgesetzt und fordern fragte. Ihre Art der Bescheidenheit und Vorsicht. Diesem bin ich nicht oft begegnet- war es aber auch nur eine Sache der Vorstellung? Ihrer Vorstellung?
Aus Deutschland, bei der Vorbereitung zu Afrika, wurde dies alles schon berichtet. Auch, dass man kein Geld geben sollte, besser in den Laden gehen und etwas kaufen. Also, das werde ich jetzt dann machen... ..
Im Supermarkt zeigte sie was sie wollte- ob sie drei Pakete kaufen kann- und Oel - und Margarine - und Kokosnussoel und - - - - STOP, Please, don't be careful with ask for support you. ... hörte ich mich sagen. Und - ich lachte dann und sagte, okay, Buy 3 and this oil and Margarine- than it's okay! So geschah es denn auch.
Welch ein merkwürdiges Gefuehl in dieser Ueberlegenheit zu stehen, dieser stillen Nichtmöglichkeit besser leben zu können, zu begegnen. Ein Schrei, ein stiller. Ich kann dies nicht ändern, das ist klar.
Gab ich doch solch ein Beispiel bei einer anderen Gelegenheit:
Ich gehe nqch Deutschland, hole all mein Geld in einem Koffer. Stelle mich in Mikindani auf den Plaza und verteile an jeden 1000 Shiliing. Und? und dann? Ist etwas verändert? Nichts, ausser, jeder feiert ein wenig, ich habe nichts mehr. Der einzige Vorteil: Jeder hier weiss dann, dass ich nichts mehr habe und fragt mich NIE wieder nach Support.
Dies half, es wurde gelacht und ich wurde verstanden.